"Der Trainer muss entscheiden was das Richtige für die Mannschaft ist und nicht unbedingt für den Einzelnen"

 

13. April, 2015 | Matthias G. | Alle Artikel sehen

Einblick ins Trainer—Dasein

Um einen kurzen Einblick zu geben, stelle ich mich kurz vor. Ich habe meine Trainerkarriere vor etwa sieben Jahren bei den F-Junioren (Jahrgang 2000) meines Heimatvereins begonnen. Als Co-Trainer lernte ich erst die gesamten Traineraufgaben kennen. Ich habe selbst seit 1995 Fußball gespielt und kannte aber bisher nur die Perspektive als Spieler. Als es einen Trainermangel bei den Junioren gab, habe ich mich direkt berufen gefühlt, um dort auszuhelfen.

Mit der Zeit wurde dies immer spannender und schon bald wusste ich, was es heißt Trainer zu sein. Bis dahin dachte ich immer, man kommt spontan ins Training oder bereitet die Übungen am gleichen Tag vor.

Doch mir wurde schnell bewusst, dass es eigentlich ein Fulltime-Job ist. Erst machte ich mir kaum Gedanken um Übungen oder das bevorstehende Training und fuhr relativ gelassen zum Sportplatz. Nach und nach begann ich auch an trainingsfreien Tagen an mögliche Übungen, Zirkeltraining und Aufstellungen für das kommende Spiel zu denken. Und auch dies wurde mit der Zeit immer mehr, bis ich fast täglich darüber nachdachte.

Wer war gut im Training? Wer hat sich besonders angestrengt? Wer hat nur Blödsinn gemacht?

Solche Fragen gingen mir ebenfalls durch den Kopf, als ich mich mit meinem Kollegen absprach, wer denn spielen sollte. Natürlich sollen alle Kinder beim Spieltag zum Zug kommen, was auch immer der Fall war, aber dennoch berücksichtigt man solche "Nebensächlichkeiten".

Im zweiten Jahr übernahm ich das gleiche Team und nahm die Kinder auch mit zu den E-Junioren. Heute sind die Kinder Jugendliche und kicken in der C-Jugend.

Aufgabenverteilung

Schon bald merkte ich, dass nicht nur Übungen oder Spiele wichtig waren, sondern auch der Aufbau der Trainingseinheiten. Man spricht mit gegnerischen Trainer über Aufgaben, Übungen, Zirkeltraining oder andere Spielchen.

Neben der Aufstellung stellt die Trainingsgestaltung einen wichtigen Bereich dar. Fragen wie "Was sollte man verstärkt trainieren?" oder "Wo ist noch Trainingsbedarf" waren dabei ständige Begleiter beim Training. Ab wann ist Lauftraining für die Kinder angebracht? Meiner Meinung nach gehören zum Job als Trainer viele Aufgaben dazu.

Das Training sollte Spaß machen, abwechslungsreich, intensiv und zugleich locker sein, motivieren, den Zusammenhalt stärken und bei manchen sogar Erziehungs-maßnahmen beinhalten. Auch Diskussionen mit Eltern bezüglich des Trainings oder der Aufstellung stehen auf der Agenda.

Eltern mischen sich zu oft ein

"Mein Kind war immer im Training, spielt aber nicht durch".

Wenn solche Fragen von Eltern kommen, verweise ich auf Kadermanager, wo auch Eltern sehen können, wer wann und wie oft im Training war.

Dabei mache ich deutlich, dass es nicht nur für die Spieler, sondern auch für den Trainer wichtig ist, dass die Kinder zum Training kommen.

Hierfür bietet Kadermanager die Möglichkeiten Zusagen oder Absagen zu tätigen. Vielleicht-Angaben gibt es nicht, da es unvorteilhaft wäre, wenn zwölf von 15 Spieler vielleicht ins Training kommen. Bei Kadermanager können dann die Eltern sehen, dass nicht nur ihr Schützling jedes Training anwesend war, sondern auch weitere Spieler. Wenn ich das erzähle, entsteht teilweise ein Konkurrenzkampf, so dass fast alle Spieler regelmäßig am Training teilnehmen.

Was mir früh bewusst wurde ist, dass sich Eltern nicht damit zufrieden geben am Spielfeldrand zu stehen. Oft, ja gar zu oft, verspüren sie das Bedürfnis sich in die Trainerangelegenheiten einzumischen. Wenn das Kind mal nicht von Beginn an auf dem Platz steht oder gar weniger Spielzeit bekommt, als der Nachbarsjunge, war das Theater groß. Dann greift man als Trainer zu psychologischen Maßnahmen, um die Eltern zu beruhigen. Meine Devise lautet dabei immer, dass die Eltern das Sagen über die Kinder haben — aber zu Hause. Auf dem Sportplatz hat der Trainer das Heft in der Hand.

Und so muss der Trainer auch entscheiden was das Richtige für die Mannschaft ist und nicht unbedingt für den Einzelnen

Eigentlich befinden sich bei jedem Spiel gefühlt 20 Trainer, Schiedsrichter und Besserwisser an der Seitenlinie, die schreien, wenn sie ein Foul gesehen haben wollen. Einige übermotivierte Eltern stürmen bei manchen Situationen gar den Platz, ohne dass ihnen bewusst wird, dass dies nicht unbedingt das Beste für den eigenen Sohn ist. Manche stellen den Erfolg des eigenen Schützlings über den der Mannschaft, was falsch ist. Das versuche ich den Eltern auch klar und deutlich zu machen, wenn ich beispielsweise entscheide, wer einen Elfmeter zu schießen hat.

Das Wichtige ist, dass Tore geschossen werden - egal wer

Ein kurzes Beispiel:

Beim Stand von 4:0 bekam meine Mannschaft einen Elfmeter zugesprochen. Den eigentlichen Elfmeterschütze, der bereits 2 Tore erzielt hatte, habe ich daraufhin vom Feld genommen und einen Spieler eingewechselt, der weniger Spielzeit bekommen hatte (Jahrgang 2001, also ein Jahr jünger) und habe ihm gesagt er solle den Elfmeter schießen. Er verschoss.

Als der Vater das gesehen hatte, kam er nach dem Spiel auf mich zu und fragte, was das solle. Ich antwortete: "Es war im Sinne der Mannschaft". Der Vater verstand nicht, warum sein Sohn nicht schießen durfte, bis er sah, dass sein eigener Sohn, der bei dieser Aktion natürlich traurig war, mit allen anderen feierte, denn wir hatten das Spiel 4-1 gewonnen.

Ich versuche meinen Spielern immer klar zu machen, dass es egal ist, wer die Tore erzielt.

Das Wichtige ist, dass Tore geschossen werden — egal von wem

Nur das stärkt den Zusammenhalt der Spieler in einer Mannschaft. Die Kinder hatten das verstanden — manche Eltern nicht.

13. April, 2015 | Matthias G. | Alle Artikel sehen

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